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Beim ERC ist der Glaube zurück

  • nicolasberthold
  • 10. Dez. 2025
  • 3 Min. Lesezeit

Zwölf von 27 Matches haben die Schwarz-Gelben in dieser Saison absolviert, und nach fast der Hälfte der bestrittenen Hauptrundenpartien lohnt ein Blick auf die bisherige Bilanz. Aktuell rangieren die Oberallgäuer mit acht Siegen, vier Niederlagen und 24 Punkten auf dem dritten Tabellenplatz. Am Freitag haben die Sonthofer ab 20 Uhr beim EV Ravensburg die Chance, ihre Siegesserie auszuweiten. Die Formkurve zeigt deutlich nach oben.


Zu Saisonbeginn war das Stimmungsbarometer indes im frostigen Bereich. Mit reichlich Ambitionen war der ERC in die Landesliga-Spielzeit gestartet. Nach drei Halbfinal-Teilnahmen in den Vorjahren wollte der Traditionsverein die Leistungen der vergangenen Spielzeiten untermauern und auch in diesem Jahr wieder ein gewichtiges Wort in puncto Aufstieg mitreden. Der Saisonstart aber war für Spieler, Fans und Verantwortliche nur schwerlich zu verdauen.


Die Mannschaft des Trainerduos Helmut Wahl und Vladimir Kames fing sich zwei deftige Pleiten: Beim Vorjahresfinalisten Wanderers Germering gerieten die Sonthofer mit 2:8 unter die Räder, noch bitterer war die darauffolgende 2:9-Klatsche im Derby bei den Pfronten Falcons. Null Punkte, 17 Gegentore. Nach nur zwei Spieltagen war die Laune an der Hindelanger Straße, gelinde formuliert, ausbaufähig.


„Diese zwei heftigen Niederlagen haben den Jungs einen Knacks verpasst“, gibt Coach Helmut Wahl zu. „Nach nur 120 gespielten Minuten war das Selbstvertrauen nach der ordentlichen Vorbereitung weg.“ Und auch die folgenden Siege gegen Bad Aibling (3:0), Fürstenfeldbruck und Ottobrunn (beide 3:1) waren eher mühevoll erarbeitet denn das Resultat einer kollektiven Leichtigkeit.


Die Verunsicherung des Teams von Kapitän Marc Sill sollte auch in den nächsten Partien erkennbar bleiben: In Bad Aibling setzte es die nächste Pleite (0:5), nur eine Woche später zerlegte Ottobrunn den ERC mit 6:1. Da konnte auch das zwischenzeitliche 5:1 gegen Ravensburg auf heimischen Eis nicht über die Unsicherheit hinwegtäuschen. Der Motor der Schwarz-Gelben ruckelte gewaltig, und das mangelnde Selbstvertrauen der Mannschaft zeigte sich bei zu vielen schludrigen Aktionen auf dem Eis.


„Vladi und ich haben viel mit den Spielern gesprochen. In so einer Situation, in der auf die Jungs natürlich auch viel Kritik von außen einprasselt und sie selber am unzufriedensten mit dem Verlauf sind, ist die mentale Arbeit von entscheidender Bedeutung“, berichtet Helmut Wahl. Neben vielen Einzelgesprächen wurde auch die Arbeit unter der Woche angepasst: Das Trainergespann erhöhte den Druck im Training, kreierte Kleinfeldsituationen mit intensiven Zweikämpfen und wollte über diesen Weg dem Team die in dieser Phase eminent wichtigen Tugenden einimpfen: Energie, Leidenschaft und Einstellung.


Nur eine Woche nach dem 1:6 in Ottobrunn sollte sich das gegen ebendiesen Gegner auszahlen. „Was wir am neunten Spieltag im Heimspiel gegen Ottobrunn in den ersten 20 Minuten an Feuer und Dynamik aufs Eis gebracht haben, war herausragend. Wir haben den ERSC regelrecht eingeschnürt, uns früh die Scheiben geholt und den Gegner vom eigenen Tor ferngehalten“, sagt der Übungsleiter. Für das Trainerteam war das nicht nur ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung, es war möglicherweise auch der Moment, in dem die Truppe auf einmal das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten wiederentdeckte. Am Ende wurde Ottobrunn mit 6:3 besiegt – der bis dato beste Auftritt der Schwarz-Gelben. „Irgendwann macht es einfach Klick“, erklärt Helmut Wahl.


Nach dem Ausscheiden von Führungsspielern und Grundpfeilern in der Defensive (Vladimir Kames) und Offensive (Matyas Stransky, Valentin Köcheler) vor der Saison mussten die Verantwortlichkeiten innerhalb der Mannschaft neu geordnet werden. „Das ist ein Prozess, der Zeit bedarf. Testspiele sind das eine, Pflichtspiele etwas anderes“, sagt Helmut Wahl. „Die jungen Spieler, die sonst eher im Schatten der Routiniers standen, mussten auf einmal in neue Rollen hineinwachsen. Das ist nichts, was sofort reibungslos funktioniert.“


Vielleicht seien da laut Wahl die beiden Auftaktklatschen auch ein notwendiger Baustein dieser Weiterentwicklung des Teams, die immer mehr Früchte zu tragen scheint. Am Wochenende reisten die Sonthofer erst zum Tabellenzweiten Lechbruck, dann zum Ersten Germering. Und in beiden Partien gingen die Schwarz-Gelben mit Leidenschaft ans Werk und drehten Rückstände noch in Siege um. „Die beiden Spiele haben Vladi und mir sehr gut gefallen“, sagt Helmut Wahl. „Wir standen defensiv stabiler und haben immer an uns geglaubt – auch, als Germering im dritten Drittel mit 3:1 führte. Wir sind stolz auf die Jungs, und diese Duelle haben das Potenzial der Mannschaft offengelegt.“


Am kommenden Freitag haben die Oberallgäuer die Chance, ihre Siegesserie, die mittlerweile auf vier angewachsen ist, weiter auszubauen. Ab 20 Uhr kreuzen sie beim EV Ravensburg die Schläger. Eine leichte Aufgabe wird dies gewiss nicht, auch wenn die Westallgäuer aktuell auf dem vorletzten Platz stehen. „In Ravensburg geht es traditionell hitzig zur Sache. Da müssen wir wieder hellwach sein, konzentriert und mit Leidenschaft zu Werke gehen“, sagt Helmut Wahl. Bringen die Jungs diese Grundtugenden aufs Eis, winkt Saisonsieg neun.


Foto: Bettina Brunner

 
 
 

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